www.verlagsfrei.de
Ein Sammelbecken für Autoren, keinVerlag! Lyrik & Prosa die man lesen sollte.
Für Leser und Autoren kostenlos und werbefrei!
zurück Verlagsfrei.de
Seite: schwarze-federn.html runter


Schwarze Federn Autorin: Traumfänger zum Thema Suizid / Selbstmord

Bewegungslos liegt sie auf ihrem Bett.
Ihr Blick geht ins Leere. Das Leben flieht aus ihrem Körper, lässt eine kalte, starre Hülle zurück. Eine letzte Träne rinnt aus ihren Augen, ein letzter leiser Schluchzer erklingt in der Stille. Dann ist es ruhig.

Behutsam nehme ich ihre Hand. Begleite sie auf ihren Weg in eine neue, dunklere Welt. Ängstlich blickt sie mich an, ungewiss was mit ihr geschieht.

"Hab keine Angst, mein Kind! Ich bin dein Todesengel", und der Klang meiner Stimme lässt sie erschaudern.

"Wohin bringst du mich?", fragt sie kaum hörbar.

"Du hast beschlossen, deinem Leben ein Ende zu setzen. Und so ist es nun meine Aufgabe, dich zum Tor der Dunkelheit zu geleiten. Doch nun schweig still, ich will dir alles erklären. Jedem Menschen, der des Lebens müde ist und der, noch bevor seine Zeit gekommen ist, seinem Dasein ein Ende setzt, wird ein Todesengel gesandt. Unsere Aufgabe ist es, diese Menschen auf ihr Schicksal vorzubereiten."

Sie blickte mich ängstlich an.

"Ich bringe dich nun in eine Welt voller Kälte und Hass. Du wirst umgeben sein von Leid, Schmerz und unendlichen Qualen. Furcht und Einsamkeit werden dich jagen und nur, wenn du deine innere Stärke wieder findest, kannst du dort bestehen."

Ihre Augen sind vor Schrecken geweitet. Unfähig ein Wort herauszubekommen, sieht sie mich an.

"Es tut mir Leid, meine Kleine, aber du hast dein Schicksal selbst gewählt. Ich kann dir nun nicht mehr helfen."

Vor uns erhebt sich ein riesiges, finsteres Tor aus dem Nebel, der uns bisher umgab.

"Wir sind da. Dies ist das Tor der Dunkelheit. Hier muss ich dich nun verlassen, denn uns Engeln ist es nicht gestattet, die Grenze in diese andere Welt zu überschreiten."

Das Mädchen spricht noch immer nicht, doch man sieht ihr die Zeichen der Angst an. Vorsichtig lege ich ihr meine Hand auf die Schulter. Sie rührt sich nicht. Dann dreht sie sich um und schaut mich an.

"Darf ich dich noch was fragen?", will sie wissen.

Ich nicke.

"Warum sind deine Flügel so zerrissen", fragt sie und streicht sacht mit ihren Fingern über meine schwarzen Schwingen. Viel ist nicht mehr von ihnen übrig. Ich greife nach hinten und reiße eine der wenigen Federn heraus und reiche sie ihr.

"Jeder 'Geflohene', wie wir euch nennen, bekommt von seinem Todesengel eine solche schwarze Feder. Sie hilft euch in der neuen Welt. Doch zu viele Menschen fliehen jetzt freiwillig aus dem Leben. Unsere Flügel wachsen nicht mehr schnell genug nach. Und mit unserer letzten Feder zerfallen wir zu Staub. So sinkt die Zahl der Todesengel und immer weniger 'Geflohene' können durch unsere Federn das Bisschen Hilfe erlangen, das wir fähig sind, euch mit auf den Weg zu geben. Es ist ein Teufelskreis. Nur wenn die Menschheit wieder Mut zum Leben fasst, wenn sie nicht mehr so schnell aufgibt, nur dann haben wir eine Chance, weiter zu bestehen. Denn wir Todesengel kümmern uns nicht nur um die 'Geflohenen', sondern auch um alle anderen körperlosen Seelen, die in ihre neue Welt gebracht werden müssen."

Immer noch blickt sie mich an.
Doch dann dreht sie sich um und läuft zum Tor. Kurz davor wendet sie sich mir noch mal zu, drückt die schwarze Feder an sich und flüstert:

"Danke!"

Kurz darauf ist sie in der Dunkelheit verschwunden.

Ich blicke noch eine Weile auf das mächtige Tor.
Dann spreize ich meine Flügel und mache mich auf den Weg zu meiner nächsten Seele. 


hoch
zurück Verlagsfrei.de

Die Seite Traumfänger.verlagsfrei.de ist Partnerseite von: www.verlagsfrei.dewww.nur-texte.de und www.kinderqualen.de


 (c) 2011 Snikare™